19.09.2018 - Antrag - (In) Hannover blüht was

SPD-Fraktion im Rat der Landeshauptstadt Hannover
Fraktion Bündnis 90/Grüne im Rat der Landeshauptstadt Hannover

FDP-Fraktion im Rat der Landeshauptstadt Hannover

In den

  • Ausschuss für Umweltschutz und Grünflächen
  • Verwaltungsausschuss


19.09.2018


Antrag
gemäß § 34 der Geschäftsordnung des Rates der Landeshauptstadt Hannover

(In) Hannover blüht was

zu beschließen:

Die Verwaltung wird beauftragt, dem Rat Vorschläge zu unterbreiten, die

  1. eine Optimierung des Mahdregimes sowie Ausgestaltung mit gebietsheimischen Blühpflanzen (insb. Kräuter auf mageren Standorten) durch die Verwendung von Regiosaatgut auf allen städtischen Flächen und allen städtischen Randstreifen (insbesondere Weg-, Fließgewässer- und Waldwiesen und -ränder) vorsieht.
  2. eine Flächenverfügbarkeit zur Ersteinrichtung von neuen Blühflächen jedweder Art darlegt.
  3. die Möglichkeiten der Freiraumplanung zur optimalen Nutzung als Blühflächen aufzeigt.
  4. Kooperationspotenziale zwischen Wirtschafts- und Sozialpartnern mit der Stadt Hannover zur Verbesserung der Lebensräume für Insekten beinhalten.
  5. die optische Aufwertung von Frei- und Randflächen des Stadtgebietes durch mehr Blühpflanzen den Bürgerinnen und Bürgern mit Hilfe von Öffentlichkeitsarbeit vermitteln.

Begründung:
Die öffentliche Diskussion um das zunehmende Insektensterben ist allgegenwärtig. Die Ausprägung der Insektenvielfalt ist ein Spiegelbild des Blütenangebots in unserer Umwelt. Gleichwohl sind Insekten essentielle Bestäuber in unseren Freiflächen und Gärten. In unseren Breiten werden rund 88 % der Blütenpflanzen durch Insekten bestäubt. Insekten stellen oftmals den Beginn der Nahrungskette dar. So ernähren sich Zugvögel wie Nachtigall, Rauchschwalbe oder Mauersegler vornehmlich von Insekten.

Der dramatische Rückgang macht sich zunehmend auch in urbanen Räumen wie Hannover bemerkbar. Am Beispiel der auffälligen Tagfalter wird deutlich, dass sie auf öffentlichen Flächen im Sommer kaum noch anzutreffen sind. Es kommen im Stadtgebiet fast ausschließlich Ubiquisten (Allerweltsarten) vor, wie Weißlinge oder Tagpfauenaugen. Die typischen Waldtagfalterarten wie der Große Schillerfalter oder der Kleine Eisvogel sind aus den einstigen stabilen Beständen der Hannoveraner Wälder vollkommen verschwunden. Tagfaltervorkommen eignen sich gut als Indikator für die gesamte Insektenvielfalt. Auch der Lebensraum Wald wird zunehmen aus entomologischer (insektenkundlicher) Sicht artenärmer.

Hannover besitzt jedoch eine Vielzahl öffentlicher Flächen auf denen Verbesserungspotenziale im Sinne der Insektenfauna zu heben sind. Sich hier als Stadt noch stärker gegen das Insektensterben zu engagieren, passt auch zur Auszeichnung des Projekts „Städte wagen Wildnis" als UN-Dekade-Projekt der biologischen Vielfalt am 14. März 2018, an dem sich Hannover neben Frankfurt a. M. und Dessau-Roßlau beteiligt.

Christine Kastning                  Dr. Freya Markowis               Wilfried Engelke
Fraktionsvorsitzende              Fraktionsvorsitzende              Fraktionsvorsitzender