24.08.2011 - Antrag - Forstbetriebswerk 2012 - 2022

SPD-Fraktion im Rat der Landeshauptstadt Hannover
Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Rat der Landeshauptstadt Hannover


24.08.2011

In den
- Ausschuss für Umweltschutz und Grünflächen (10.10.2011)
- Verwaltungsausschuss
- Eilenriedebeirat z. K.

Antrag gem. § 34 der Geschäftsordnung des Rates der Landeshauptstadt Hannover

Forstbetriebswerk 2012 - 2022

zu beschließen:
Die Stadtverwaltung wird aufgefordert, vor der Auftragsvergabe des „Forstbetriebswerk 2012 bis 2022“ dem Ausschuss für Umweltschutz und Grünflächen verschiedene Möglichkeiten für die Erstellung des neuen Forstbetriebs vorzustellen. Folgende Alternativen sollen dabei unter Einbeziehung der Auswirkungen auf Naherholung, Naturschutz und Wirtschaftlichkeit dargestellt werden:

1. Fortschreibung des lfd. Forstbetriebswerks.

2. Eine weitgehende Fortschreibung des laufenden Forstbetriebswerks, jedoch mit der Vorgabe einer Reduzierung der Holznutzung – insbesondere der vollständigen Aufgabe der Holznutzung in der vorderen Eilenriede zwischen Hohenzollernstraße und Bernadotteallee – und einer moderaten Vergrößerung der Naturwaldbereiche.

3. Eine Neufassung des Forstbetriebswerks, das eine Holznutzung zukünftig nur noch bei zwingenden Fällungen im Rahmen der Verkehrssicherung und bei Durchforstungen als Pflegemaßnahme zur Förderung altholzreicher und naturnaher Bestände mit hohem waldästhetischem Wert vorsieht und in dem die bereits eingerichteten Naturwaldbereiche substantiell vergrößert werden.

Begründung:
Für die stadteigenen Wälder müssen periodische Betriebspläne aufgestellt werden (§ 15 Abs. 1 NWaldLG). Die Auftragsvergabe für die Aufstellung des Forstbetriebswerks für die Dekade 2012 bis 2022 steht kurz bevor.

Für das noch laufende Forstbetriebswerk 2002 bis 2012 wurden nach intensiven Diskussionen Vorgaben für den Schutz von Altholz und für das Zulassen von mehr Naturnähe erlassen. Herausragend starke Bäume und Höhlenbäume werden seitdem nicht mehr aus Gründen der Holznutzung gefällt und der Fällung solcher Bäume aus Gründen der Verkehrsicherungspflicht ist eine mehrstufige Prüfung vorgeschaltet. Auf gut zehn Prozent der Waldfläche, ca. 110 ha, wurden darüber hinaus Naturwaldbereiche eingerichtet in denen keine Holznutzung mehr stattfindet.

Auf dem weitaus größten Teil der städtischen Waldfläche findet jedoch derzeit die Holznutzung von Bäumen in Altholzstärke, sofern es sich nicht um herausragend starke Exemplare handelt, statt. Die Fällung von markanten alten Bäumen, auch wenn ein Teil der Baumfällungen aus Gründen der Verkehrssicherheit erfolgen, wird aber von vielen Menschen abgelehnt. Denn der Wert und die Schönheit eines Waldes werden vielfach an seinem Reichtum an charaktervollen alten Bäumen gemessen. Auch für die Naturschutzverbände ist die heutige Waldbewirtschaftung in den stadteigenen Wäldern nicht optimal, sondern stellt für sie ein Zugeständnis an das Ziel der Holznutzung dar. Kritisiert wird, dass die Bäume durch die Holzernte nur einen Bruchteil ihrer potentiellen Lebensspanne erreichen. Dem Wald werde so die für die Artenvielfalt besonders wertvolle Altersphase des Waldes genommen.

Angesichts der Kritik am laufenden Forstbetriebswerk sollen die politischen Gremien daher vor der Auftragsvergabe des „Forstbetriebswerk 2012 bis 2022“ die Möglichkeit erhalten, sich über die verschiedenen Möglichkeiten für die Erstellung des neuen Forstbetriebs zu informieren.

Christine Kastning Lothar Schlieckau
Fraktionsvorsitzende Fraktionsvorsitzender