Haushaltsantrag 2006 - Erprobung nachbarschaftlicher Systeme in Stadtteilen

Erprobung nachbarschaftlicher Systeme in Stadtteilen mit schwieriger Sozialstruktur

Antrag zu beschließen,

1. Es wird ein Modellversuch „Förderung des Aufbaus nachbarschaftlicher Systeme in Statteilen mit schwieriger Sozialstruktur“ durchgeführt.

2. Die bisher im UA 1.4980 Hst. 1.4800.718000 für Sonstige Soziale Angelegenheiten eingesetzten Haushaltsmittel werden für den Modellversuch um insgesamt 90.000 € erhöht.

3. Die Verwaltung wird aufgefordert, ein Konzept für den Ausbau und die Stärkung von Nachbarschaftsinitiativen in Stadtteilen mit schwieriger Sozialstruktur zu entwickeln und dem Rat zuzuleiten.

Dabei sollen insbesondere die Erfahrungen mit dem weiterzuführenden – und im Rahmen des Modellversuchs auszuwertenden – Projekts der nachbarschaftsinitiative Vahrenheide e.V. auf ihre Übertragbarkeit hin überprüft werden.

Die Mittel sollen zur Finanzierung von Projekten und ggf. von Honorarkräften verwandt werden. Weiterhin soll es Ziel sein, im Sinne stadtweiter und differenzierender Ansätze, auch die Projekte Hallo Nachbar des Stadtteilgesprächs Roderbruch e.V. sowie im Stadtbezirk Ahlem-Badenstedt-Davenstedt in den ehemaligen Unterkunftsgebieten und in der nördlichen List die Realisierung eines Nahbarschaftstreffs zu unterstützen um damit bürgerschaftliches Engagement zur Verbesserung des Wohnumfelds zu fördern. Zur Bündelung und Koordination des Informationsflusses und der Angebote, wie auch zur sichtbaren Präsenz für die Bewohner/innen ist dafür eine intensive Begleitung durch pädagogisches Fachpersonal ebenso erforderlich wie eine Evaluation.

Begründung:
Damit sich Menschen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld und in ihrem Wohngebiet wohl fühlen können, sind gute und persönliche Kontakte zu Nachbarn wichtig. Wie selbstverständlich sollen sich dabei Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Generationen (Jung und Alt) im Alltag begegnen können.

Nachbarschaft bedeutet positiv gesehen eine Solidar- und Kommunikationsgemeinschaft im Wohnzusammenhang, die sich u.a. ausdrücken kann in Hausgemeinschaften, Nachbarschaftshilfe aber auch im Vereinsleben. Es besteht eine soziale Kontrolle im gegenseitigen Aufpassen, vor allem bei gemeinschaftlich genutzten Bereichen. Negativ gestalten kann sie sich z.B. durch Ablehnung, Ausgrenzung und Anpassungsdruck gegenüber als Außenseitern empfundenen. Demographische und terminologische Entwicklungen haben allerdings dazu beigetragen, den Rückzug in die „eigenen vier Wände“ eher zur Normalität werden zu lassen. Verstärkt wird diese Tendenz in Gebieten des sozialen Wohnungsbaus in so genannten „sozialen Brennpunkten“, da hier wirtschaftlich schwache und sozial problematische Familien überdurchschnittlich häufig untergebracht werden.

Um dieser Entwicklung zu begegnen sind differenzierte Handlungsansätze erforderlich, die die Potenziale in den Stadtteilen mit dem Ziel neu erschließen, ein soziales Miteinander zu reaktivieren, um intakte und verlässliche Nachbarschaftsverhältnisse zu entwickeln.

Es gibt im gesamten Stadtgebiet eine Vielzahl von Initiativen, die sich auf unterschiedlichstem Niveau und mit jeweils individuellen Organisationsstrukturen, mit der Entwicklung nachbarschaftlicher Systeme auseinandersetzen. Häufig entwickeln sich diese rund um einzelne Bewohner/-innen, die sich besonders verantwortlich für eine gute Nachbarschaft fühlen und engagieren. Sie tragen durch ihr Wirken dazu bei, eine funktionierende Nachbarschaft aufzubauen. Im Vergleich zum stadtteilbezogen ausgerichteten Programm „Soziale Stadt“ ist der angestrebte Wirkungsgrad derartiger Strukturen kleinräumiger und auf bestimmte, auffällige Sozialräume und Wohngebiete konzentriert.

In Davenstedt soll in den im Unterkunftsgebiet Geveker Kamp befindlichen, leer stehenden Räumlichkeiten der ehemaligen städt. Kindertagesstätte ein Nachbarbarschaftstreff errichtet werden, um die Menschen aus der unmittelbaren Umgebung anzusprechen und zu einem nachbarschaftlichen Miteinander zu bewegen. In Badenstedt wurde bereits im Wohngebiet Körtingsdort (Auf den Kirchstücken) unter dem Projekttitel „Heizhaus“ ein Einstieg beim Aufbau nachbarschaftlicher Treffpunkte im Stadtbezirk erreicht. Hier hat die Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover (GBH) die Räumlichkeiten des „Heizhauses“ kostenlos zur Verfügung gestellt. Verschiedene Einrichtungen halten dort sozialkulturelle Angebote vor. Es gibt bereits ein kleines Netz von engagierten Menschen aus der Nachbarschaft, die zu einem lebendigen Miteinander beitragen.

Das Stadtteilgespräch Roderbruch e.V. entstand in den Jahren 1975 bis 1980 als ein Zusammenschluss engagierter Bürger und Institutionen in Groß Buchholz und Roderbruch. Der Jugend- und Familienhilfestützpunkt des Diakonischen Werkes hat im Sommer 2001 zum ersten Mal für einen Monat ein konzentriertes Angebot zur Förderung von Nachbarschaftshilfe mit vielen positiven Resonanzen durchgeführt. In dieser zeit gab es kaum Zerstörungen der allgemeinen Räume, stattdessen Gespräche und Aktionen mit Bewohnern, wodurch die Anonymität untereinander etwas abgebaut und Vertrauen und Kontakte entsprechend aufgebaut werden konnte.

Am 01.01.2005 hat das Stadtteilgespräch Roderbruch e.V. das spendenfinanzierte Nachbarschaftsprojekt Hallo Nachbar vom Diakonischen Werk übernommen. Da die Ziele und die Organisation des Stadtteilgesprächs Roderbruch nicht darauf ausgelegt sind, langfristig Stadtteilprojekte wie Hallo Nachbar zu tragen, wird eine Verselbständigung des Projektes ab 2006 angestrebt.

Der geplante Nachbarschaftstreff Böcklinplatz in der nördlichen List verfolgt einen intergenerativen Ansatz. Er wird gestützt und getragen durch die Stadtteilrunde List / Nordost, die AG Böcklinplatz, dem für den Nachbarschaftstreff gegründeten Förderverein, den Schirmherren Alexander May und, als Trägerverein, die Schreberjugend sowie Bürger und Bürgerinnen vor Ort. Mit dem Lister Turm wird eine intensive Kooperation angestrebt. Ein Konzept ist erarbeitet, das einerseits das Spannungsumfeld Gorch-Fock-Straße / Hinrichsring beleuchtet und andererseits den Bogen zum Neubau Lister Blick spannt.

Klaus Huneke
Fraktionsvorsitzender

Lothar Schlieckau
Fraktionsvorsitzender