Haushaltsantrag 2006 - Stadtteilorientierte Netzwerke für Bildung und Qualifizierung

Stadtteilorientierte Netzwerke für Bildung und Qualifizierung

Antrag zu beschließen:

a) An ausgewählten Hauptschulen werden unter Einbeziehung verschiedener Akteure stadtteilorientierte Netzwerke für Bildung und Qualifizierung entwickelt.
Haushaltsmittel in Höhe von 250.000 Euro werden bei einer neu zu schaffenden Haushaltsstelle im Unterabschnitt 1.2929.610xxx zweckgebunden bereitgestellt.
Mit den finanziellen Mitteln sollen die zur freiwilligen Mitarbeit bereiten Schulen in die Lage versetzt werden, in Kooperation mit den Netzwerken Ergänzungsangebote am Nachmittag zu unterbreiten. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf den Übergang von Schule in das Berufsleben.

b) Die Vergabe der Mittel findet auf Antrag der Schulen in enger Abstimmung mit dem Fachbereich "Bildung und Qualifizierung" statt.

c) Die Verwaltung wird beauftragt sicher zu stellen, dass Schulen bei der Konzeption und der Pflege des Netzwerkes in enger Kooperation mit dem Fachbereich Bildung und Qualifizierung Unterstützung erhalten, ggf. auch personeller Art.

Begründung:
Die neueren Ländervergleichstudien belegen eindrücklich den Zusammenhang zwischen sozialer Benachteilung und mangelnden Bildungschancen im bundesdeutschen Bildungssystem. Auch in Hannover spiegeln die Bildungsbiografien von Kindern und Jugendlichen dieses wieder, insbesondere an den Hauptschulen. Begründungszusammenhängen sind auf verschiedenen Ebenen zu finden: in den individuellen Lebenszusammenhängen von Familien, in den demographischen und wirtschaftlichen Wandelprozessen der Gesellschaft, in mangelhaften strukturellen Verzahnungen unterschiedlicher Bildungsorte und –anbieter, in zähen inhaltlichen Prozessen eines Paradigmenwechseln aller Bildungsinstitutionen.

Stadtteilorientierte Netzwerke aus Trägern der formellen (Schule), informellen (offene Jugendhilfe, Jugendsozialarbeit, Kultur) und non-formellen Bildung (Vereine, Verbände, Jugendbildungsträger) sollen die Chancengleichheit im Zugang zu einer umfassenden Bildung für Kinder aus sozial bzw. ethnisch benachteiligten Persongruppen erhöhen. Viele Städte erproben derzeit pädagogische Konzepte einer ergänzenden und integrativen Bildungsarbeit in dieser Art (z.B. "Schule im Stadtteil" in Hamburg und Berlin). Kommunen stehen mittel- und langfristig vor der Aufgabe, mit ihren Bildungsangeboten die Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen im Sinne verbesserter Teilhabe zu befördern.

Anknüpfend an diese Erfahrungen und angepasst an die hannoversche Bildungslandschaft sollen sich um die Schulstandorte verlässliche und interdisziplinäre Netzwerke aufbauen, die ihre Stärken gleichberechtigt für die Bildungsprozesse von Kindern einbringen. Die vorhandenen Ressourcen und Einrichtungen können durch eine optimale Verzahnung den gesellschaftlichen Bildungsauftrag qualitativ verbessern und auf die Lebensumwelt der Betroffenen anpassen.

Schülerinnen und Schüler erhalten dadurch eine Unterstützung durch differenzierte Instrumente, Angebote und Strategien um ihre Selbstständigkeit, Lebensbewältigung, Lernorganisation und berufliche Orientierung auszubauen. Ferner werden ihnen Chancen und Möglichkeiten geboten, eigene Interessen und Potenziale zu erkennen, um erreichbare Ziele bei der Berufswahl bzw. dem weiteren Bildungsweg zu verfolgen.

Die zur Verfügung gestellten Mittel werden als ausreichend betrachtet, bis zum Jahr 2007 an ausgewählten Hauptschulstandorten Bildungsnetzwerke zu errichten und zu stützen. Perspektivisch ist eine Ausweitung des Konzepts auf weitere Schulen geplant.

Klaus Huneke
Fraktionsvorsitzender

Lothar Schlieckau
Fraktionsvorsitzender