16.11.2009 - interfraktioneller Antrag - Stadttafel für Herschel Grünspan (Grynszpan)

SPD-Fraktion im Rat der Landeshauptstadt Hannover
CDU-Fraktion im Rat der Landeshauptstadt Hannover
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen  im Rat der Landeshauptstadt Hannover
Fraktion Die LINKE. im Rat der Landeshauptstadt Hannover
FDP-Fraktion im Rat der Landeshauptstadt Hannover
Gruppe Hannoversche Linke im Rat der Landeshauptstadt Hannover
Ratsherr Jens Böning


In die nächste Ratsversammlung

Hannover, 16.11.2009

Antrag gemäß § 10 der Geschäftsordnung des Rates der Landeshauptstadt Hannover

Stadttafel für Herschel Grünspan (Grynszpan)

Antrag zu beschließen:

Die Verwaltung wird beauftragt,

zur mahnenden Erinnerung an das Schicksal von Herschel Grünspan (Grynszpan), geboren am 28. März 1921 in Hannover, in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv eine Stadttafel an einem historisch angemessenen Ort anzubringen.

Begründung:
Herschel Grynszpan emigrierte 1936 nach Frankreich. Ende Oktober 1938 wurden 18.000 Juden mit deutschem oder polnischem Pass in einer groß angelegten Aktion gewaltsam nach Polen abgeschoben, darunter auch die Eltern Grynszpans.
Am 7. November 1938 schoss Herschel Grynszpan in Paris auf den deutschen Legationssekretär Ernst vom Rath. Das Nazi-Regime instrumentalisierte diese Tat umgehend für seine antisemitische Propaganda gegen die Juden im Allgemeinen und nahm sie direkt zum Anlass, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die später so genannte „Reichskristallnacht“ zu inszenieren: Unter Beteiligung von Gestapo und Polizei initiierten und förderten SA und SS im gesamten Deutschen Reich Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung. Juden wurden getötet, misshandelt, verhaftet. 1574 Synagogen und Gemeindehäuser, sowie Geschäfte und Tausende Privatwohnungen wurden verwüstet und zerstört.

Eine Stadttafel soll mahnend daran erinnern, dass das nationalsozialistische Gewaltregime Herschel Grynszpan und seine Tat propagandistisch als Vorwand für die gewaltsamen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung am 9. und 10. November 1938 missbrauchte.

Stadttafeln nicht allein im Zentrum, sondern auch in den Stadtteilen, wirken jede für sich und bringen damit Passanten unmittelbar in Kontakt zu Hannovers Geschichte. Stadttafeln dienen der Information und Bildung.

Christine Kastning, Fraktionsvorsitzende Lothar Schlieckau, Fraktionsvorsitzender
Rainer Lensing, Fraktionsvorsitzender Wilfried H. Engelke, Fraktionsvorsitzender
Oliver Förste, Stv. Fraktionsvorsitzender Ludwig List, Gruppenvorsitzender
Jens Böning